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Kambodscha Winter 2005/2006

Der Kurztrip unter den Asienreisen. Nur neun Tage haben wir Zeit und daher auch nur ein größeres Ziel – Die Tempel von Angkor.

Über den schon fast berüchtigten “National Highway” 5 und 6 fahren wir nach Siem Reap, dem Ausgangspunkt für die Besichtigung der Tempel. Drei Tage verbringen wir dort und nehmen anschließend das Boot über den Tonle Sap See und den gleichnamigen Fluss nach Phnom Penh.

Silvester verbringen wir in der Hauptstadt, die restlichen Tage im Süden des Landes, in Kep und der Region um Kampot.

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Reisebericht Kambodscha Winter 2005/2006

Am ersten Weihnachtsfeiertag 2005 starten wir früh morgens in Richtung Flughafen München, das erste Mal ohne unsere beiden Töchter. Ein ganz eigenartiges Gefühl, keine Rücksicht auf die Belange von Kindern nehmen zu müssen. Dass sie sich in den Großstädten nicht langweilen, am Flughafen Streit schlichten, stundenlang Uno spielen ...
Bangkok erreichen wir abends am alten Flughafen Dong Muang. Ein paar Bath ziehen wir am Geldautomaten und nehmen anschließend ein Taxameter-Taxi oben aus dem Abflugbereich.

Vor einigen Jahren waren wir bereits einmal in der Swiss Lodge, nahe der Silom Road abgestiegen und wählten auch diesmal dieses Hotel.

Dort treffen wir Helga, eine pensionierte Lehrerin aus Österreich. Auf Kreta hatte sie uns einmal angesprochen, seither riss der Kontakt nie so richtig ab. Oft hören wir Monate lang nichts von ihr, da sie sich im Prinzip ständig auf Weltreise befindet. Mit ihr gehen wir in der Nähe der Khao San Road noch einen Happen essen, bevor wir uns am kommenden Morgen von einem Wagen an die Kambodschanische Grenze nach Aranyaphratet, bzw. Poipet bringen lassen.

Die gut ausgebaute Strasse fahren regelmäßig Aircon Busse. Da für uns Zeit aber diesmal eine etwas größere Rolle spielt, als ein paar Bath zu sparen, zahlen wir gerne die umgerechnet 30,- Euro für die dreistündige Fahrt.

Auf der kambodschanischen Seite besteht die Möglichkeit, für die Weiterreise nach Siem Reap (Angkor), auf einen Bus zu warten oder ebenfalls einen Wagen zu nehmen. Von dem Bus wissen wir, dass er unterwegs eine laaaange Pause macht, um sicher zu stellen, dass die Traveler erst nach Einbruch der Dunkelheit in Siem Reap ankommen. Vielen ist es dann zu blöd, noch ein Zimmer zu suchen. Brauchen sie auch nicht, der Bus hält direkt vor dem „richtigen“ Guesthouse.

Die Entscheidung für das Taxi war goldrichtig. Ein englisches Pärchen wartet bereits auf zwei weitere Mitfahrer, um sich den Fahrpreis teilen zu können. Die geringeren Kosten sind das eine, wichtiger aber ist, dass man den Fahrer an beliebiger Stelle stoppen lassen kann. So können wir bereits auf dieser Strecke einige Fotos machen, die bei Wahl des Busses niemals möglich gewesen wären.

Am beeindruckendsten ist aber die Straße selbst. Die RN 5 und im weiteren Verlauf RN 6 ist eine Naturstraße, die zum Saumäßigsten gehört, was man sich nur vorstellen kann. Es ist DIE West-Ost Verbindung zwischen Thailand und Siem Reap. Der gesamte Fernverkehr von Bangkok nach Phnom Penh wälzt sich über diese Strecke.

Die Schlaglöcher sind Meter lang und halb Meter Tief, an den Bodenwellen machen die Fahrzeuge regelmäßig einen Satz. Die Böschung am Rand ist vollkommen weggebrochen. Dass das rechte Rad nicht irgendwann abgebrochen ist, wundert mich heute noch.

Dann die Brücken. Diese wurden teilweise von Pionieren nach dem Bürgerkrieg errichtet, sind einspurig und aus Holz oder mit Metallplatten belegt. Die Holzbrücken haben meist Löcher. Kinder verdienen sich Geld damit, dass sie Balken für die Lkws in der richtigen Spurbreite über die Löcher legen. Bei den Eisenbrücken stehen die Ecken der Metallplanken meist nach oben, wie Stacheln.

Und der Staub. Fährt man hinter einem anderen Fahrzeug her, sieht man buchstäblich nichts. Das hindert natürlich niemanden daran, trotzdem zu überholen. Nachdem die alten Gebrauchtwagen großteils aus Thailand stammen, in dem Linksverkehr herrscht, befindet sich in Kambodscha, wo (meist) rechts gefahren wird, das Steuer auf der falschen Seite. Der Beifahrer sieht dem Tod also immer als erster entgegen.

Dennoch, gegen Nachmittag erreichen wir Siem Reap und beziehen unser Zimmer im Bopha Angkor Hotel. Nela hatte das Hotel bereits von Deutschland aus gebucht. Ein besseres Haus, mit Pool und schöner Terrasse am Fluss.

Das, was in Siem Reap von Anfang an nervt, sind die Unmassen an Bettlern. Siem Reap ist aufgrund seiner Lage direkt neben der gewaltigen Tempelanlage von Angkor, die am meisten von Touristen besuchte Stadt Kambodschas. Das wissen auch die Bettler und stehen wirklich am Abstand von wenigen Metern. Es sind alles Minenopfer oder Kinder, die teilweise von den Eltern sogar verstümmelt werden, um für mehr Mitleid zu sorgen.

Bitte versteht mich nicht falsch, es sind unglaublich arme Menschen, denen durch Minen Beine und Arme abgerissen wurden, doch nach dem hundertsten Mal: „Please, one Dollar“, kann man es nicht mehr hören. Es ist so extrem, dass sogar beim Essen Trauben von Kindern um einen herumstehen und die Hand aufhalten. In keiner anderen Stadt Kambodschas haben wir so etwas jemals wieder erlebt.

Früh morgens am kommenden Tag heuern wir einen Tuk Tuk Fahrer (Khmer: Roemok) an, der uns durch die größte Tempelanlage der Welt chauffieren soll. Unser Fahrer ist ein sympathischer junger Kerl, der exzellent englisch spricht.
Es gibt Tageskarten (20 US$) und Dreitageskarten (40 US$). Letztere ist definitiv die sinnvollere Alternative. Mit einer Digitalkamera wird man am Eingang abgelichtet und erhält einen Ausweis mit Foto. Wahlweise kann man sein eigenes Passbild mitbringen und spart so etwas Wartezeit.

Hier die Geschichte Angkors wieder zu geben, sprengt jeglichen Rahmen. Nur eines: Noch nie habe ich etwas beeindruckenderes gesehen, wie diese Tempel im Dschungel von Kambodscha. Seit 1992 zählt die Anlage zum Welt Kulturerbe der UNESCO.
Während die großen Bauwerke, Angkor Wat und Angkor Thom (Bayon), eigens besucht werden sollten, empfiehlt es sich, für die übrigen Bauwerke, dem Petit (kleinen) und dem Grand (großen) Circuit zu folgen. Diese Besucherrouten wurden von den französischen Archäologen kreiert und sind die systematische Weise, Angkor zu entdecken.
Der besondere Reiz von Angkor liegt nicht im „Abhaken“ der Tempel, sondern im Erleben und Aufnehmen der großartigen Atmosphäre, wie sie kaum eine andere Sehenswürdigkeit auf der Welt zu bieten hat.

Am dritten Tag lassen wir uns zu der außerhalb gelegenen Roluos-Gruppe fahren und anschließend an den Tonle Sap See, den größten See SO-Asiens und das Herzstück Kambodschas.
Zu erreichen ist er über eine, ähnlich einem Damm gebaute, Straße, auf der unser Fahrer nach ca. 5 Kilometern an einem kleinen Häuschen anhält. Eintritt zahlen lautet die Aufforderung. 12 Dollar pro Person knöpft einem der Wächter an der Bude ab, wir sind stink sauer. Dass Touristen auch von offizieller staatlicher Seite gnadenlos abgezockt werden, ist uns bewusst, 12 Dollar, dafür, dass wir an den Rand eines Sees fahren dürfen, ist aber schon sehr heftig. Dennoch schlucken wir die Kröte, wer weiß, ob wir jemals wieder die Gelegenheit haben werden, hier her zu kommen. Der See selbst weist nämlich ein besonderes Phänomen auf. Während der Regenzeit werden riesige Flächen überflutet, da der Mekong dann sein Wasser von Phnom Penh aus über den Fluss Tonle Sap in den See lenkt. Dabei fließt so viel Wasser in den „Grossen See“, dass sich die Fläche fast bis zum Siebenfachen ausdehnt. Nach Abfluss des Wassers bleibt fruchtbares Schwemmland übrig. Der See gehört immer noch zu den fischreichsten Gewässern der Erde, allerdings zeigt der beginnende industrielle Fischfang bereits erste Folgen und Fischer berichten über einen Rückgang der Erträge. Ein weiteres, immer größer werdendes Problem ist die starke Verschmutzung des Schwemmsands - vor allem mit den Abwässern der flussaufwärts am Mekong gelegenen Industrieanlagen in Thailand und China.

Der sich ständig verändernde Wasserspiegel, hat die Menschen gezwungen, sich in besonderer weise anzupassen. Viele Fischer führen mit Ihren Familien ein Leben auf Hausbooten oder in „schwimmenden Dörfern“.
In einem Boot lassen wir uns an den Dörfern vorbei, aus dem Uferbereich etwas hinaus auf den See fahren. Die Menschen leben hier am Ufer des Sees in teilweise erbärmlichen Zuständen, regelrechten Slums. Ein Umstand, der uns gerade wegen des hohen „Eintrittspreises“ besonders aufstößt. Von den Geldern kommt nicht ein Cent bei den Menschen an.

Für die Weiterfahrt nach Phnom Penh gibt es zwei Möglichkeiten. Mit einem Bus über die RN 6 und Kompong Thom oder mit dem Speedboat über den Tonle Sap See und den Tonle Sap Fluss. Wir entscheiden uns für letzteres.
Am Morgen werden wir von einem Wagen abgeholt, der uns zu den beiden Booten am Anleger bringt, an dem wir bereits gestern standen. Die Boote selbst haben deutliche Ähnlichkeit mit zwei Zigarren. Im Inneren einer Röhre befinden sich Sitzreihen, wie im IC Großraumwagen. Dahinter lassen Lüftungsgitter erahnen, dass ein Ungetüm von Motor dort seinen Dienst tut. Unterstütz wird der Eindruck davon, dass der „Maschinist“ während der Fahrt mit einem Motorradhelm bekleidet seinen Dienst tut.

Die Fahrt quer über den See und durch den Fluss mit immer neuen Motiven links und rechts des Wassers dauert etwa 5 Stunden. Es ist Mittag, als wir die Landungsbrücken von Phnom Penh ansteuern. Wer noch keine Unterkunft hat, kann beruhigt feststellen, dass kein Grund zur Sorge besteht. Horden von Moto Dup Fahrern und Schleppern stürmen auf die ankommenden Touristen zu, um Zimmer zu vermitteln oder wenigstens einen Fahrgast zum Hotel zu ergattern.
Wir steigen in einem der Hotels am Preah Sisiwath ab, wie die Riverfront offiziell heißt. Für 45 Dollar ein sauberes Zimmer mit Blick direkt auf den Fluss.

Es ist der 30. Dezember 2005. Silvester wollten wir ursprünglich in Sihanouk Ville am Meer verbringen. In unserer Naivität sind wir tatsächlich davon ausgegangen, durch einen kurzen Anruf in einem der Hotels dort, ein Zimmer für den 31.12. klar machen zu können. Das war natürlich ein gründlicher Irrtum. Nicht zuletzt aufgrund der Tourpakete der Anbieter von Pauschalreisen, sind zu diesem Zeitpunkt alle Betten im einzigen Touristisch verwertbaren Strandabschnitt Kambodschas belegt. Also verbringen wir den Abend in der Hauptstadt und bewundern hier das Feuerwerk, dass auf der anderen Seite des Flusses gezündet wird.

Kurzfristig ändern wir unsere Planung und lassen das nur wenige Dollar teure Ticket für den Bus nach Sihanouk Ville verfallen. Stadt dessen heuern wir einen Fahrer an, der uns nach Kampot bringen soll, einer kleinen Stadt ebenfalls im Süden des Landes. Dies war eine der besten Entscheidungen jemals, kommen wir so in eine Region Kambodschas, wie sie schöner kaum vorstellbar ist. Nicht nur das Landschaftsbild hier am Fuße des Elefantengebirges trägt dazu bei, die gesamte Atmosphäre, in der alle Ruhe und Gelassenheit Asiens zu spüren ist, macht das Besondere aus. Dem widerspricht ein ganz klein wenig das Erlebnis, welches letztendlich für unsere Kambodscha Reise ein Jahr später den Ausschlag gab.

Auf der Suche nach einer Übernachtung, steuerten wir den Bokor Mountain Club an, ein Hotel, das laut Reiseführer direkt in Kampot am Ufer des Stoeng Keo liegen sollte. Das Hotel war jedoch geschlossen, dem Zustand nach auch schon eine ganze Weile. Neben dem Grundstück befindet sich ein kleines Restaurant. Dort ließen wir uns von dem Fahrer absetzten und bestellt en erst einmal ein Bier, um in Ruhe nach Alternativen im Reiseführer zu blättern. Das Lokal führte Steve, ein Engländer zusammen mit seiner Kambodschanischen Frau. Und Steve hatte ein interessantes Fahrzeug, eine 250er Moto Cross Maschine. Bisher sahen wir lediglich die kleinen Honda Dream, der ganzen Motorradtaxis, dass es hier auch „richtige“ Motorräder gibt, überraschte uns. Es dauert nicht lang und zwei Kumpels von Steve tauchen auf, ebenfalls mit Moto Cross Maschinen unter sich. Wir erfuhren, dass man die Motorräder in Kambodscha auch mieten kann, jedoch ausschließlich in Phnom Penh – Mist!

Um es abzukürzen: Steves Frau gestattete uns, mit ihrem Handy in einem Resort in Kep, dem Veranda, anzurufen, in dem wir für den heutigen Tag ein Bungalow reservierten. Von zwei Moto Dup Fahrern ließen wir uns in den nicht weit entfernten Ort fahren, in dem wir die restlichen Tage bleiben wollten.

Kep selbst war lange eine regelrechte Geisterstadt, die jedoch zwischenzeitlich wieder aufblüht. Fern der Heimat errichteten die Franzosen 1908 in Mini-Pendant ihrer geliebten Cote d’Azur. An dem eher bescheidenen Strand wurde eine Uferpromenade angelegt, Hotels und Kasinos gebaut. Wohlhabende Khmer und Franzosen amüsierten sich hier bis 1975 bei Wasserski, Tiefseetauchen und Fischen.

In einem beispiellosen Zerstörungsakt machten die Soldaten Pol Pots diesen mondänen Badeort dem Boden gleich. Die Außenwände einiger weniger, besonders stabil gebauter Häuser, zeigen noch heute die Einschusslöcher.
Unsere Unterkunft, das Veranda Guesthouse liegt einige hundert Meter oberhalb des Strandes an einem Hügel. Die Anlage ist genial angelegt. Von einer großen Restaurant-Terrasse führen kleine Holzbrücken zu den einzelnen Bungalows.

Angestachelt durch unser „Motorrad-Erlebnis“ in Kampot leihen wir uns von einem Moto Dup Fahrer für einen Tag seine kleine Honda Dream. Für fünf Dollar fahren wir damit in das Hinterland, nach Kompong Trach und erleben Kambodscha vollkommen abseits des Tourismus von einer seiner schönsten Seiten.

Zu den wenigen „Empfehlungen“ zahlt ein Besuch auf der Kep vorgelagerten Koh Tonsey, der „Kanincheninsel“. Am vollkommen verfallenen Pier stellen wir das kleine Moped ab und lassen uns von einem Boot hinüber bringen. Dort soll es ein kleines Resort geben, einen schönen Badestrand und einige Restaurants. Weiter nichts. Das Wetter ist nicht besonders aufregend. Nass bis auf die Haut werden wir daher nicht beim Baden, sondern auf unserer „Dschungeltour“ auf die andere Seite der Insel.

Wieder zurück in Kep, trauen wir unseren Augen nicht. Das Moped ist weg. Den Zündschlüssel halte ich in der Hand, es wurde tatsächlich geklaut. Wie sollen wir das dem Besitzer erklären? Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zurück in die Stadt und staunen nicht schlecht, als uns ein Fahrer mit genau „unserem“ Moped entgegenkommt, hinten am Pier hält und das Ding dort wieder abstellt. Wir fragen ihn, was das sollte. Er entschuldigt sich tausend Mal. Er wusste nicht, dass es an uns vermietet wurde. Er kennt den Besitzer und hat es sich nur kurz ausgeliehen, da er so viel zu schleppen hatte. Auf meine Frage, wie er es ohne Zündschlüssel starten konnte, meinte er nur, oh den braucht es nicht, es genügt ein Streichholz ins Schloss zu stecken!
Letztlich können wir nur schmunzeln über den Vorfall und sind dennoch unglaublich erleichtert dem Besitzer seine kleine Maschine unbeschadet wieder zurückgeben zu können.

Viel zu wenig Zeit hatten wir diesmal und konnten in jede Ecke des Landes nur kurz hineinschnuppern. Bereits auf dem Weg zum Flughafen nach Phnom Penh am nächsten Tag, sind wir bei der Reiseplanung für das kommende Jahr.

Auf jeden Fall kehren wir zurück nach Kep. Dafür werden wir allerdings in Phnom Penh eine 250er Enduro mieten und noch eine weitere Sehenswürdigkeit besuchen – Bokor mit seinem verfallenen Kasino auf dem Phnom Popok, dem „Berg, um den die Wolken kreisen“.

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